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Donnerstag, 8. März 2012

Unternehmenspraxis, Geldanlage und Werbung


Seit einigen Wochen hat die NZZ donnerstags einen neuen Bund zu bieten. Er nennt sich Equity und soll nach eigenen Angaben über Unternehmenspraxis und Geldanlage informieren. Abgesehen davon, dass die erste Ausgabe noch voller Anzeigen war und sich die Werbekunden augenscheinlich schon wieder verabschiedet haben - das journalistische Niveau ist ausbaufähig. Als Beleg mögen zwei Artikel aus der heutigen Ausgabe dienen.

Ein Schwerpunkt ist das Geschäft mit digitalen Büchern - aus Anlass der Diskussion um die Buchpreisbindung. Die beiden Artikel von Janine Haffter kommen ohne neue Rechercheergebnisse aus. Diese erwartet man ohnehin nicht von der NZZ. Ärgerlicher ist, dass das Rieplsche Gesetz von 1913 aus der Mottenkiste geholt wird: Keine neue Mediengattung ersetzt die bestehenden. Blogger und Medienberater Thomas Knüwer schrieb dazu einst: "Riepl lebte in einer anderen Welt. Einer Welt, die nicht taugt für das, was ihm zugesprochen wird. Sein Gesetzt ist ein Gesetz, das darauf beruht, dass etwas nicht so sein wird, weil es noch nie so gewesen ist. Es ist das Atomkraftwerke-sind-sicher vor Tschernobyl. Und deshalb ist es kein Gesetz." Und: "Es ist geradzu putzig, wenn selbst die philogisch-historische Fakultät der Uni Augsburg über Riepl schreibt, er habe sich mit der “Geschichte der Fern- und Telekommunikation” beschäftigt. Denn als Riepl seine Doktorarbeit schrieb, gab es nicht einmal das Radio."

Viel mehr geärgert habe ich mich aber über einen Text von Marie-Astrid Langer. Er nimmt 25 Milliarden Downloads in Apples App Store zum Anlass, die steile These aufzustellen, dass Applikationen für Unternehmen längst zum Geschäft geworden sind. Herzlichen Glückwunsch: Diese Erkenntnis ist mindestens zwei Jahre alt. Auch diese Geschichte kommt ohne Neuigkeiten aus. Sie konzentriert sich vor allem auf Apple, was damit begründet wird, dass die Schweiz ein Apple-Land ist. Nicht einen einzigen Beleg liefert die Autorin dafür. Schlimmer ist, dass Langer der Firma iAgentur grosszügig Platz für Eigenwerbung einräumt. Warum keine einzige andere Schweizer Softwareschmiede gewürdigt wird, ist unverständlich. Wahrscheinlich kennt die Journalistin Martin Schawalder oder Marco Ghinolfi, die Unternehmensgründer, persönlich. Der kommende Webstandard HTML5, der das Geschäft mit Apps auf eine völlig neue Grundlage stellt, wird selbstredend ausgeklammert.

Das obige Foto ist übrigens so schlecht, um nicht noch Werbung für Equity zu machen. Nur eine Frage, NZZ: Wer zu spät kommt, den bestrafen wohl auch die Anzeigenkunden, oder?