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Dienstag, 13. März 2012

Dafür zahl ich nichts


Bekanntlich will die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) noch in diesem Jahr ihre Paywall hochziehen. Die komplette Printausgabe wird man dann gegen Geld im Netz lesen können, nachdem ein Gratis-Kontingent an Artikeln ausgeschöpft wurde. Was mir seit längerem auf die Nerven geht, ist der fehlende Bezug zu digitalen Themen in der gedruckten NZZ. Einmal in der Woche gibt es eine Digital-Seite, auf der man dann beispielsweise jeweils vier Tage nach Messestart das vermeintlich Neueste von der Consumer Electronics Show (CES) oder dem Mobile World Congress (MWC) liest. So weit, so hinterher. Bei netzpolitischen beziehungsweise sicherheitsrelevanten Themen hinkt die alte Tante noch weiter hinterher, wie man zuletzt unter anderem an der Acta-Berichterstattung sehen konnte.

Ein Negativbeispiel aus der heutigen NZZ ist ein Leitartikel von Eric Gujer, der zwar im Auslandsressort arbeitet, aber sich mal als Kommentator eines Digitalthemas versuchen durfte. Und so will er dann festgestellt haben, dass "Unternehmen im Internet zur Zielscheibe eines Aktivismus werden, der von den Protesten unzufriedener Kunden bis zu existenzbedrohenden Hackerangriffen reicht. Gujer führt als Beispiele Dave Carroll und seinen Song für United Airlines, die Qualitätsmängel von Bosch-Siemens-Kühlschränken in China und die Hackerangriffe auf Stratfor an. Diese Fälle sind aber mindestens Wochen, wenn nicht gar Monate alt. Nur im Fall Carroll gibt Gujer zu, wie abhangen das Thema ist.

Bei der NZZ beruft man sich gern auf eine vermeintliche Analysefähigkeit. Wie sinkenden Leserzahlen zeigen, haben viele wohl verstanden, dass damit oftmals gemeint ist, dass man lange wartet, was die anderen schreiben, um dann eine Zusammenfassung mit feuilletonistischem Einstieg zu liefern. Aber selbst den hat Eric Gujer versiebt. Witzeleien mit "In China ist ein Sack Reis umgefallen" sind ungefähr so inspirierend wie ein Solo-Programm von Marco Rima.

Daher nur eine Frage, NZZ: Warum sollte ich für solche Inhalte zahlen?