Sonntag, 18. Februar 2024
Ich fühlte nach dem Lesen der Onlineversion eine tiefe Leere
Nachdem Nadine Jürgensen im Januar Gratis-Werbung für ihr Finanz-Startup Ellexx im "Magazin" sowie im SRF "Club" machen durfte (Mitgründerin Patrizia Laeri war ja mal beim SRF), war diese Woche der "Blick" an der Reihe. Karen Schärer, Teamlead Gesellschaft, bot ihr die Möglichkeit, zu berichten, wie sie Gewalt während der Geburten ihrer Kinder erlitten hatte. Jürgensen, ganz Verkaufstalent, nutzte die Plattform, um darauf hinzuweisen, dass frau sich bei Ellexx zusatzversichern kann, damit frau bei der Geburt eine Doula, eine Geburtsbegleiterin ohne Ausbildung, ohne Zusatzkosten an der Seite haben kann. Diese Schleichwerbung fiel auch der "SonntagsZeitung" auf, die heute Morgen darüber berichtete. Und was macht der "Blick"? Löscht wie so oft die entsprechende Passage (siehe oben den ganzen Artikel) aus der Onlineversion. Im Print geht das ja leider nicht mehr. Das Ellexx mit dem Rücken zur Wand steht und Jürgensen nach jedem Strohhalm greift, fair enough. Wie traurig es ist, dass sie ihr Innerstes nach aussen kehren muss, um Reklame für ihr serbelndes Startup zu machen, sei einmal dahingestellt. Aber nur eine Frage an Karen Schärer vom "Blick": Warum haben Sie nach Ihrem peinlichen Versagen nicht wenigstens den Mut, den Fehler transparent zu korrigieren?
Montag, 15. Januar 2024
Interessenskonflikt aus dem Lehrbuch
In ihrer aktuellen Kolumne für "Das Magazin" setzt sich Nadine Jürgensen mit der (fehlenden) Geldanlagestrategie vieler Frauen auseinander. Sie schreibt unter anderem: "Wer anfangen will zu investieren, sollte erstens einen Kurs besuchen oder sich anderweitig informieren; zweitens ein Budget mit Sparquote erstellen; drittens einen Notgroschen auf der Seite haben; viertens mit einer 3a-Säule die erste Investition tätigen und Gebühren beachten; fünftens danach weitere breit abgestützte Investitionen tätigen, etwa in Indexfonds oder ETF, und dort sechstens regelmässig kleine Beiträge einzahlen; siebtens Gewinne immer wieder reinvestieren (wegen Zinseszins) und achtens einen langen Anlagehorizont wählen, damit die Zeit immer zu ihren Gunsten spielt."
Jürgensen schiesst unter anderem gegen die Banken: "Daran sind auch die Finanzinstitute schuld: Sie begegnen Frauen nicht auf Augenhöhe, sprechen Finanz-Bla-Bla und lassen die Finanzwelt als undurchdringlichen Dschungel erscheinen. Drei Viertel der Vermögensverwalter geben in einer Studie von BNY Mellon an, hauptsächlich Männer anzusprechen. Laut der Studie fühlen sich 82 Prozent der Frauen in der Schweiz unwohl beim Gedanken, einen Teil ihres Geldes am Finanzmarkt anzulegen. Eine deutsche Studie zeigt ausserdem, dass Bankberater Frauen häufiger teure Fonds mit tiefem Risiko empfehlen."
Ein Problem: Jürgensen, die schon bei der "NZZ" nicht als grosse Rechercheurin auffiel, nennt manche Quellen ihrer Behauptungen nicht, andere sind nicht unabhängig, etwa BNY, also eine Bank. Das grössere Problem: Nadine Jürgensen ist eine der Gründerinnen von ellexx, einem Start-up, das unter anderem Säule-3a-Produkte und ein Tracker Zertifikat vornehmlich für Frauen anbietet. Jürgensen hat also einen echten Interessenskonflikt, denn im Grunde macht sie Werbung für ihren Laden, indem sie andere Finanzanbieter disst. Von der bescheidenen Performance des ellexx-Trackers einmal abgesehen, nur eine Frage an "Magazin-Chefredaktor" Bruno Ziauddin: Warum hat aus Ihrer Redaktion niemand Jürgensen gestoppt?
Sonntag, 21. November 2021
Die Winteler naht
Patrizia Laeri, Nadine Jürgensen und Simone Züger haben auf ihrem Portal ellexx die lesenswerte Rubrik "Männerfragen" eingeführt. In dieser wird Vertretern des starken Geschlechts genau der Fragenkatalog präsentiert, den Frauen allzu oft erdulden müssen. Daran musste ich denken, als ich heute das Porträt von Nicole Ruch in der "SonntagsZeitung" las. Geschrieben hat es Chris Winteler, eine Frau. Ruch ist diese Woche zur neuen Präsidentin des Schweizer Tierschutzes (STS) gewählt worden. Hauptamtlich ist sie Direktorin bei der Credit Suisse (CS). Schon der Textanfang spricht Bände: "Über Alter und Familienverhältnisse hält sie sich bedeckt". Nur zur Erinnerung: Wenn Männer das tun, wird es selten erwähnt. Und weiter geht es: "Die Bankdirektorin trägt einen schwarzen Hosenanzug, ein schwarzes, mit Spitzen besetztes Top - eine markante Uhr blitzt unter dem Ärmel hervor. Es funkelt an Ringfingern und Ohren. Sorgfältig geschminkt und frisiert ist sie." Es ist ein alter JournalistInnentrick: Frau tut so, als hätte man etwas Überraschendes entdeckt. Also nur eine Frage an Chris Winteler (übrigens Jahrgang 1966): Was genau ist daran für eine CS-Direktorin, die Sie an ihrem Arbeitsplatz getroffen haben, überraschend?
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