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Donnerstag, 3. Juni 2021

Prost auf die journalistische Unabhängigkeit


Nico Nabholz, noch Moderator beim serbelnden "Blick TV", wechselt demnächst als Mediensprecher zu Coop. Vorher macht er aber mit dieser Schalte schon mal Werbung für seinen neuen Arbeitgeber, in dessen Filialen Kundinnen und Kunden künftig selbst Bier zapfen können. Von der Frage, ob das einen Beitrag wert ist einmal abgesehen nur eine Frage: Hat Coop dafür einen ausgegeben?

Mittwoch, 30. Dezember 2020

Das ganze Video-Elend in einem Bild

Stian Hansen: Video zeigt Sturm in der Nordsee

Man weiss in der Branche, dass "Blick TV" wohl 2021 nicht in dieser Form überstehen wird. Trotz all der Millionen, trotz Jonas Projer: Zuschauerzahlen, Inhalte und Werbeeinnahmen sind zu schlecht. Ein paar Ebenen darunter sieht man das ganze Elend der "Blick"-Videoanstrengungen seit Jahren: Ein Beispiel: Am 23. Dezember hat Stian Hansen auf YouTube ein 13-sekündiges Video veröffentlicht, das einen Sturm in der Nordsee aus der Perspektive eines Kapitäns auf der Brücke zeigen soll. Heute, eine Woche später, hat der "Blick" das Video ebenfalls publiziert. Es ist 46 Sekunden lang, weil es mehrmals hintereinander geschnitten wurde. Eine News dazu gibt es nicht. Es ist nur zu lesen, dass es ein Sturm in der Nordsee gewesen sein soll. Und Stian Hansen soll Norweger sein. 

Müssig, hier wie so oft darauf hinzuweisen, dass der "Blick" Hansen natürlich nicht gefragt haben dürfte, ob man das Video benutzen darf. Bei Videos Schweizer Provinienz würde man an sich das an der Dufourstrasse natürlich nicht trauen. Aber warum schnitzt man sich bei Ringier (und nicht nur dort - "20 Minuten" etwa ist auch bekannt dafür) solch billige Videos? Weil man ein bisschen mehr Geld mit Werbe-Spots verdienen kann, die den Videos vorangestellt werden, als mit klassischer Bannerwerbung. Und wenn sie allzu kurz (beispielsweise 13 Sekunden, siehe oben) wären, dann wäre das Ganze noch peinlicher. 

Wir fassen zusammen: Das Video ist eine Woche alt, wurde ohne Einverständnis des Urhebers veröffentlicht. Eine Nachricht gibt es nicht. Der beigestellte Text liefert jedenfalls keine. Es gibt ja auf diversen Online-Portalen Formate wie "Bilder des Tages". Dort sind man allerhand Blickwertes auf aller Welt - die Mindestvoraussetzung ist aber, dass die Bilder aktuell ("des Tages") sind... Daher nur eine Frage an Christian Dorer, Chefredaktor "Blick": Wie lange noch?

Mittwoch, 18. September 2019

Blick in der Champions League der Piraterie

Blick TV soll nicht nur wegen der Verpflichtung von Jonas Projer gross werden. Blick TV muss auch anders werden. Denn mit aus dem Netz zusammengefischten, auf eigene Server, mit eigener Station ID und eigener Werbung versehenen Videos kann es nicht auf Dauer gut gehen. Im Klartext: Dieses Geschäftsmodell, das etwa auch von Watson und 20 Minuten im grossen Stil praktiziert wird, ist illegal. Ein aktuelles Blick-Beispiel: Gestern Abend hat Marco Reus von Borussia Dortmund zum Auftakt der Champions-League-Saison gegen den FC Barcelona gegen den deutschen Goalie Marc André ter Stegen einen Penalty verschossen. Die Szene des Spiels - auch weil der Match 0:0 ausging. Blick hat natürlich von diesem Moment kein eigenes Video. Wie geht man bei Ringier vor? Man lädt das Video auf eine Plattform wie Streamja (im späteren Video auf Blick.ch akkurat durch den Balken unten halb verdeckt) hoch. Dann lädt man es herunter, auf eigene Server, stempelt das Blick-Logo oben rechts hinein und gibt als Quelle Streamja an. Dass oben rechts noch die Originalquelle (RMC 2 Sport) steht, scheint niemanden zu interessieren. Trotzdem nur eine Frage an Jonas Projer und Blick-Chefredaktor Christian Dorer: Wie lange, denken Sie, kommen Sie damit noch durch?