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Donnerstag, 19. Juni 2014
Drittverwertung
Am 13.6 erschien auf sueddeutsche.de ein Artikel von Julian Hans, in dem er erklärt, wie bezahlte Manipulatoren in Social Networks und Kommentarspalten von Onlinemedien Stimmung für Wladimir Putin machen. Am 16.6 erschien der Artikel dann auf tagesanzeiger.ch, am 18.6. auf nzz.ch. Allerdings zeichnet für letztgenannten Christian Weisflog verantwortlich. Der Tagi und die SZ teilen sich bekanntlich Korrespondenten. Aber die NZZ hat sich nicht gross die Mühe eigener Recherchen gemacht, sondern einfach so getan als hätte sie das Material im Netz entdeckt. Ein Verweis auf SZ und Tagi fehlt natürlich. Man hätte beispielsweise doch mal versuchen können, mit den Verantwortlichen zu reden. Daher nur eine Frage an die Neue Zürcher Zeitung: Warum verlangen Sie für solche Drittverwertungen Geld?
Dienstag, 15. April 2014
Zahlen, bitte
Stephanie Sigrist von 20 Minuten fiel hier einst mit peinlicher Werbung für Samsung auf. Mit einer echten Recherche machte sie noch nie Schlagzeilen. Nun hat sie versucht, Belege dafür zu finden, dass Twitter in der Schweiz ein Flop ist. Für den Hinterkopf: Der Microblogging-Dienst veröffentlichte bisher keine Zahlen für die Schweiz. Daher ist all das, was Sigrist anzubieten hat, Kaffeesatzleserei. Beispielsweise zitiert sie aworldoftweets.frogdesign.com. Die Seite sammelt nur Tweets mit Ortsangabe, wobei niemand weiss, wie viele Nutzer ihre Beiträge damit versehen. Facebook hat übrigens auch noch nie Zahlen für die Schweiz genannt - Sigrist ist das egal. Sie tut es trotzdem. Es tritt noch der Google Ad Planner auf, der - wie Sigrist zurecht erwähnt - längst eingestellt wurde. Die Journalistin nennt eine Schätzung von 2012. Man könnte auch Samsung nach Apples Markanteil fragen. Ausserdem kommen IT-Experte Robert Weiss und Ingo Gächter von der Zürcher Webagentur Snowflake Productions zu Wort, die aber nichts Nennenswertes zu sagen haben. Daher nur eine Frage: Was genau sollte dieser Beitrag auf welcher Faktenbasis aussagen?
Mittwoch, 12. März 2014
Der Tod der guten Geschichte ist die Recherce
Mittwoch, 4. Dezember 2013
Unglaubliche Recherche in einem verrückten Flugzeug
Den Streit mit einer gewissen Diane hat sich Bachelor-Produzent Elan Gale nur ausgedacht. Auf ihn hereingefallen
ist auch der Reiseblog Gotorio.de des deutschen Medienkritikers Thomas Knüwer. Daher nur eine Frage: Wie war das nochmal mit den zwei Quellen?
Donnerstag, 16. Februar 2012
Ein Klassiker der Obdachlosenvertreibung

Heute habe ich im Blick am Abend gelesen, dass die Stadtbehörde von Minneapolis "eine neue Waffe gegen Kriminalität lanciert": Klassische Musik soll Diebe und Vandalen von U-Bahnstationen fernhalten. Angesichts der Tatsache, dass diese neue Waffe beispielsweise in Hamburg schon seit Ende der 90er Jahre eingesetzt wird, nur eine Frage: Wenn man schon Meldungen irgendwo abschreibt, ohne die Quelle zu nennen, sollte man dann nicht wenigstens einen kurzen Gegencheck machen?
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Mittwoch, 12. Oktober 2011
Sie war morgens nicht mehr in der Journalistenschule

Grob verkürzt, soll die Reportage an Einzelnen ganze Entwicklungen verdeutlichen. Man trifft sich also mit einem verarmten Lehrer aus Chicago und erzählt an seinem Beispiel die Erosion der Mittelschicht nach. Online-Sucht - das ist auch so ein Thema, an dem jeder sich mal versuchen darf. Heute war Irina Eftimie im Thuner Tagblatt an der Reihe. Dem Newsnetz war die Story eine Doppelplatzierung wert, wie im obigen Bild zu sehen ist. Schon im Intro bemerkt die Journalistin richtigerweise, es gebe kaum Fakten zum Thema. Trotzdem schreibt sie, es gebe Zehntausende Internetsüchtige hierzulande. Schlüssig belegen lässt sich das nicht. Und daher muss er her - der Einzelfall. In diesem Fall hat er die Initialen A. S. und erzählt wird die Geschichte einer Frau, deren Mann "nachts nicht mehr im Bett war".
Lassen wir die Frage nach der Wahrhaftigkeit der Erzählerin und der Aussagekraft der Geschichte einmal kurz unbeachtet und erinnern uns, was der deutsche Medienjournalist Stefan Niggemeier unlängst für die F.A.Z. schrieb: "Die Studie, wonach eine halbe Million Deutsche „internetsüchtig“ seien, beruht auf Unterstellungen. Statt zu differenzieren, worin genau die Abhängigkeit besteht – ob es etwa konkret um Online-Spiele geht oder um virtuellen Sex – wird der Ort an sich zur Gefahr erklärt. Eine der Schlüsselfragen heißt: „Wie häufig bevorzugen Sie das Internet, statt Zeit mit anderen zu verbringen, z.B. mit Ihrem Partner, Kindern, Eltern, Freunden?“ Die Möglichkeit, im Internet „Zeit mit anderen zu verbringen“, ist nicht vorgesehen. Nähe und Gemeinsamkeit zählen nur in analoger, körperlicher Form, das Internet wird konsequent als wirklichkeitsferner, einsamer Fluchtort definiert. Fragen wie: „Wie häufig setzen Sie Ihren Internetgebrauch fort, obwohl Sie eigentlich aufhören wollten?“ tun ihr Übriges. (Man ersetze Internetgebrauch testweise durch Bücherlesen, Schlafen oder Essen.)"
Nur eine Frage, Irina Eftimie: Ist der beschriebene Fall wenigstens nicht ausgedacht?
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Samstag, 21. Mai 2011
Offen für alle

Ich habe es schon öfter geschrieben: Der Tod der guten Geschichte ist die Recherche. Nun gut, für diese ist der Blick am Abend nicht bekannt, denn in der Regel schreibt man eine Geschichte irgendwo ab und setzt dann seine Autorenzeile darüber. Die in dieser Woche in allen grossen Medien thematisierte Sicherheitslecks beim Surfen in offenen Funknetzen, sind aber nicht nur ein Problem für Besitzer von Android-Geräten. Daher ist es Unsinn, wenn Philipp Albrecht schreibt, Blackberry- oder iPhone-Besitzer hätten nichts zu befürchten. Nachtrag am Rande: Ausser NZZ Online hat kein Schweizer Publikumsmedium thematisiert, dass zumindest Google mittlerweile für Kalender und Kontakte eine Verschlüsselung integriert hat. Daher nur eine Frage: Die gute Geschichte wäre doch viel besser, wenn die Sicherheitsprobleme fast alle Nutzer beträfen, oder?
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Sonntag, 21. November 2010
Zum Teufel mit der Recherche

Es gibt Meldungen, die klingen zu kurios, um wahr zu sein. Der Journalist sollte sich zumindest in diesen Fällen an die alte Regel erinnern, mindestens zwei Quellen bei der Recherche zu nutzen. In diesem Fall hat sich der Blick am Abend wohl mit dem Guardian zufrieden gegeben und dabei nicht einmal die Kommentare unter dem Blogeintrag gelesen. Denn ansonsten wäre diese Meldung wohl nicht erschienen, denn bei der brasilianischen Originalquelle handelt es sich um einen Blog, der auch Satirebeiträge veröffentlicht. Der Autor bestand zwar gegenüber dem Guardian auf der Richtigkeit dieser Geschichte. Eine seriöse, lokale Quelle gibt es bislang nicht. Daher nur eine Frage: Tröstest es, sich in illustrer Gesellschaft von Premium-Websites wie krone.at und pcgames.de zu befinden?
Samstag, 27. März 2010
Aus Fehlern lernen
Im Sommer 2009 machte dieses YouTube-Video Schlagzeilen, in dem ein Mann namens Bruno Kammerl einen vermeintlichen Wasserrutschen-Weltrekord aufstellte:
Doch am Ende entpuppte es sich als geschickte Werbekampagne von Microsoft. Viele Journalisten waren aber bereits darauf hereingefallen und hatten es auf ihren News-Seiten in jenen Ressorts veröffentlicht, für die interessante Web-Videos von einschlägigen Fun-Seiten gesammelt und meistens ohne Recherche publiziert werden. Ähnlich lief es unlängst auch bei diesem Clip, der angeblich eine echte Schlägerei in einem Fernsehstudio zeigen sollte, sich am Ende aber als Werk des Komikers Enzo Salvi herausstellte:
Nur eine Frage: Korrigieren Redaktionen wie 20 Minuten Online Ihren Fehler - sofern sie diesen irgendwann bemerken?
Wie man es immerhin teilweise richtig macht und Fehler einräumt, zeigte kürzlich die Zeitung Tages-Anzeiger. Das Blatt aus Zürich hatte ein Interview mit Sängerin Beyonce Knowles gekauft, das zuvor im Magazin Neon erschienen war. Dort war man auf Ingo Mocek hereingefallen, der unlängst zugab, nicht nur diesen Text frei erfunden zu haben.
Nur eine Frage: Warum nimmt tagesanzeiger.ch das Interview nicht von seiner Webseite?
Doch am Ende entpuppte es sich als geschickte Werbekampagne von Microsoft. Viele Journalisten waren aber bereits darauf hereingefallen und hatten es auf ihren News-Seiten in jenen Ressorts veröffentlicht, für die interessante Web-Videos von einschlägigen Fun-Seiten gesammelt und meistens ohne Recherche publiziert werden. Ähnlich lief es unlängst auch bei diesem Clip, der angeblich eine echte Schlägerei in einem Fernsehstudio zeigen sollte, sich am Ende aber als Werk des Komikers Enzo Salvi herausstellte:
Nur eine Frage: Korrigieren Redaktionen wie 20 Minuten Online Ihren Fehler - sofern sie diesen irgendwann bemerken?
Wie man es immerhin teilweise richtig macht und Fehler einräumt, zeigte kürzlich die Zeitung Tages-Anzeiger. Das Blatt aus Zürich hatte ein Interview mit Sängerin Beyonce Knowles gekauft, das zuvor im Magazin Neon erschienen war. Dort war man auf Ingo Mocek hereingefallen, der unlängst zugab, nicht nur diesen Text frei erfunden zu haben.
Nur eine Frage: Warum nimmt tagesanzeiger.ch das Interview nicht von seiner Webseite?
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